Über den Autor

Da sitze ich nun im Wartezimmer
und lausche dem Stöhnen und Gewimmer.
Eigentlich mag ich hier nicht sein,
doch ich brauche für meinen Schatz einen
Poliklinikberechtigungsschein.
Der Mann mit der pfeifenden Brust
verursacht mit immer weniger Lust
hier zu sitzen und zu warten -
durchs Fenster sehe ich einen Garten.
Eine alte Dame geplagt von Husten
hört nicht mehr auf zu prusten.
Sie schneuzt und niest ganz ungeniert
dabei stets zu mir herüber stiert.
Nur der kleine Junge in der Ecke
sitzt gemütlich auf einer Decke
und spielt vergnügt mit Legosteinen,
So, als wären es die seinen.
Nun beobachte ich sein stummes Spiel,
einen Turm zu bauen ist sein Ziel.
Ganz in seine Welt getaucht,
hört er nicht, wie seine Mutter faucht:
“Nun komm schon her, du bist gleich dran,
und zieh’ dir deine Mütze an.”
Erst jetzt sehe ich seinen kahlen Kopf,
Minuten später ziert den Jungen ein Tropf.
Doch leise lächelt er in sich hinein,
in Gedanken bei seinen Legosteinen.
Mögen manche Erwachsenen weniger lamentieren
und weniger mit ihrem Alter kokettieren,
sondern wie der Junge geduldig und tapfer sich zeigen
und sich vor den schönen Momenten des Lebens verneigen.

18 Antworten to “Im Wartezimmer”

  1. Solche Erlebnisse mögen uns stets als gutes Beispiel dienen…wenn wir uns mal wieder ein bisschen “Unwohl” fühlen…
    Tolle und zu Herzen gehende Zeilen!
    Sei lieb gegrüßt
    Kvelli

    Jouir la vie

  2. Liebe Iris,

    Kinder schaffen es immer wieder in ihre eigene Welt einzutauchen, im Hier und Jetzt, dem, was sie gerade tun ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken und das Schöne zu sehen. Welch ein Segen, besonders für diese Kinder, aber auch für uns, die das miterleben dürfen. Und vielleicht können Kinder auch noch besser daran glauben, dass alles wieder gut werden wird.
    So viele schöne Fähigkeiten, die wir als Erwachsene oft verloren haben. Leider. Nehmen wir uns ein Beispiel daran, versuchen wir es. Und seien wir nicht allzu streng mit uns selbst, es ist nicht immer leicht erwachsen zu sein. ;-)

    Herzliche Grüße an dich,
    Martina

    Mamü

  3. Ja, Kinder sind am Leben noch viel dichter dran. Sie spielen auch mit gebrauchtem Spielzeug, gucken nicht, ob die Mami den modernsten Mantel an hat. Freuen sich über das, was sie haben, können auch besser teilen. Erst später nimmt “mein” und “dein” von ihnen Besitz, das neidische Schielen, statt das Glück zu teilen. Und eben auch mit Krankheiten gehen sie ganz anders um. Verliert ein Kind ein Bein, probiert es aus, was und wie alles mit einem Bein geht. Ein Erwachsener hadert erstmal und denkt darüber nach, was nun alles nicht mehr geht. Schade.

    Miki

  4. Danke, lieber Kvelli :D

    Lilie

  5. Ja, liebe Martina, genau das habe ich schon des öfteren beobachten können (schließlich verbringe ich viel Zeit in Wartezimmern ;-) ). Kinder haben eine besondere Gabe, ihr Schicksal spielerisch anzunehmen. Heute z.B. waren mein Schatz und ich wieder in der Strahlenklinik. Im Wartebereich findest du Patienten JEDEN Alters. Da kannst du schon viel beobachten …

    Lilie

  6. Da hast du vollkommen Recht, liebe Miki. Ich habe sogar manchmal den Eindruck, dass mit zunehmenden Alter der Patienten das Hadern, die Ungeduld und das Jammern zunimmt … Aber verallgemeinern kann man das natürlich nicht.

    Lilie

  7. Die Stimmung wunderbar eingefangen. Kinder gehen mit Vielem, auch mit Krankheiten, ganz anders um, als wir. Das sollte uns ein Beispiel sein.

    Und das Hadern und Jammern nimmt im Alter zu. Oft haben die älteren Leute unter Gleichaltrigen auch kein anderes Gesprächsthema mehr.
    Ich hoffe immer, dass ich nicht mal so werde wie meine Schwiegermutter mit ihren zwei Hauptgesprächsthemen: Geld und Krankheit - und das in allen Tonarten, rauf und runter *ggg*.

    Liebe Grüße, liebe Iris,
    von Anna-Lena

    Anna-Lena

  8. Liebe Anna-Lena,
    ich danke dir. Manchmal erscheint es mir so, dass gerade in einem Wartezimmer die älteren Patienten sich besonders wohl fühlen: Treffen sie doch dort “Gleichgesinnte” mit denen sie sich laut und anregend über ihre Krankheiten auslassen können. Selbst die Fragen: “Und was haben Sie?” oder “Was hat denn Ihr Mann?” sind keine Einzelfälle. Als ich mit einer Bronchitis beim Arzt war erzählte mir eine ältere Dame unaufgefordert in allen Einzelheiten das Grauen ihrer Erkältung. Mein Husten war Aufforderung genug :shock: Liebe Grüße zu dir
    Iris

    Lilie

  9. Liebe Iris

    Fröhlich begonnen und ernst endend, ein nachdenklich machender Text. Ich glaube, Kinder haben noch nicht den Hang zum Grübeln, wie wir Erwachsene und nehmen das Leben eher so an, wie es ist, leben mehr (oder vielleicht nur) in der Gegenwart.

    Liebe Grüße,
    Wally

    Wally

  10. Liebe Wally,
    ja, wir sollten das Kind in uns öfter einmal zu Wort kommen lassen ;-)
    Liebe Grüße
    Iris

    Lilie

  11. Ein schöner Text, der einen mal wieder ein wenig demütig werden lässt…

    rundumkiel

  12. Danke, lieber rundumkiel :D

    Lilie

  13. Liebe Iris, wie gruselig, wenn man selbst notgedrungen mal zum Arzt muss, in überfüllten Wartezimmern sitzt und dann noch unaufgefordert die Krankenakte anderer präsentiert bekommt.

    Also hoffen wir, gesund zu beiben.
    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    Anna-Lena

  14. Das ist ein wunderschön geschriebenes Gedicht, liebe Iris. Eines das nachdenklich stimmt. Wirklich gut :-)

    Liebe Grüße
    Lilo

    Lilo

  15. Liebe Anna-Lena,
    ich fand es sehr unangenehm …
    Lieben Gruß
    Iris

    Lilie

  16. Danke, liebe Lilo :D

    Lilie

  17. Liebe Iris,
    das sind wunderschöne, sehr berührende Zeilen… Bei meiner letzten Arbeit habe ich im Spital solche Szenen immer wieder erlebt… man wird dann ganz still, verneigt sich in Demut und ist dankbar dafür, dass man “nur” mit dem geprüft wird, was man trägt…
    Dane dir, ich bin immer noch bewegt… vielleicht weil ich gerade so sehr an meinen Bruder denken muss, der unglaublich lebensfroh war, obwohl er Krebs hatte…
    Herzlichst Elisabeth

    Elisabeth

  18. Danke, liebe Elisabeth. Die Lebensfreude nicht zu verlieren ist mit das Wichtigste in solch schweren Zeiten …
    Lieben Gruß zu dir
    Iris

    Lilie

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